23Text: CfFaust
Gedicht: W.Müller
Collage: CfFaust
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23. Die Nebensonnen

Versteh ich nich ganz. Was diese drei Sonnen sollen. Denk mir‘s mal so. Eine Sonne ist für mich die Kindheit. Da war’s chillig. Unbeschwert. Ohne Sorgen. Ohne Ängste. Abhängig von andren. Ja. Aber trotzdem frei. Die Sonne der Kindheit. Vergangen. Untergegangen. Und dann die Jugend. Die Sonne der Jugend. Die war der Horror. Aber irgendwie auch schön. Alles so neu. Alles so lebendig. Und die Dritte? Nee, Moment mal. Die Zweite is weg. Auch untergangen. Kindheit und Jugend sind dahin. Wo bleibt die Dritte? Krass ist das dunkel. Jetzt check ich‘s. Ich häng da irgendwo dazwischen. Geht einfach nich weiter. Jugend ist doch Suche. Ich-Findung. Und dann die dritte Sonne wär das Alter? Erwachsen sein? Sich gefunden haben? Ich bin nicht mehr jung. Scheiße. Und hab mich trotzdem noch nicht gefunden. Verdammt. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Alles dahin. Meine drei Sonnen. Und ich häng in dieser Endlosschleife. Ein Fehler in der Matrix. Wer holt mich hier raus? Wo soll ich hin? Kein Stern, der mir den Weg weist. Verfluchte Sonnen, wo seid ihr hin?