21Text: CfFaust
Gedicht: W.Müller
Collage: CfFaust
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21. Wirtshaus

Nehme mal direkt die Pointe vorweg, hier is ein Friedhof. War ein langer Weg hierher. Hier wollte ich hin. Der Ruhe wegen. Auf dem Weg hierher hab ich mich echt totgeackert. Bin so fertig. Will mich ausruhn, will mich hinlegen. Aber hier is ja alles besetzt. Sogar die leeren Gräber sind schon reserviert. Da hab ich Respekt vor. Wenn sich jemand so vorbereitet. So. Geh ich heute mal ein Grab shoppen. Makaber. Geschmacklos. Und dennoch? Wichtig? Vorbereiten? Ich kann Sinnfragen nich leiden. Dann hör was anderes. Dann lies was anderes. Winterreise ist ne Sinnesfrage. Sag Sinn, wer bist du? Wo bist du? Jedenfalls nicht hier auf diesem Friedhof. Wenn dann hier neben der Bank. Das wär schön. Wenn ich dann Besuch bekomme, hat der’s nett. Aber wer würd schon kommen. Woran’s wohl liegt? Dass wir immer über den Tod nachdenken, sobald wir über den Sinn des Lebens grübeln? Macht todsicher keinen Sinn. Unbarmherzig ist’s hier. Nicht mal Bier gibt es umsonst. Auch hier wird man abgewiesen. Hätt ich doch nur mehr Geld. Verrückt wie Geld sogar im Tod ne Rolle spielt. Holzkreuz oder Marmorplatte. Von mir aus ein Massengrab. Aber Bier für alle bei der Beerdigung. Geschmacklos. Das Bier. Würde so gerne endlich ankommen. Im Tod ankommen. Das wär was. Hab keine Angst davor. Ist ein Ziel. Besser als rastlos weitersuchen. Orientierungslos. Diese Jugend. Bin ja noch jung. Fühl mich uralt. Fühl mich stadtalt. Aber es geht weiter. Muss mich stützen. Dann immer weiter. Weiter. Weiter.