science trash: Tribute von Panem und Popkultur

Tribute von Panem, ein neuer Teil im Kino, ein Grund sich erneut den ersten Film anzuschauen. Ich bin begeistert, kann den Blick keine Sekunde vom Bildschirm abwenden, klebe gespannt davor – und dann – dieses schlechte Gewissen. Kinder die gegen Kinder kämpfen und Massen die dabei zuschauen wie sie sich gegenseitig umbringen – unvorstellbar in der Realität? Kindersoldaten gibt es, Shows bei denen es um das Überleben im Dschungel geht auch. Die Verbindung davon wurde nun verfilmt. Was mich immer am meisten schockiert bei Dystopien: unsere Schaulust. Bin ich, der ich vor dem Bildschirm gebannt dabei zuschaue wie sich die Tribute gegenseitig umbringen, nicht genauso Voyeur, wie es die Bösen im Film sind? Ist die Dystopie dadurch, dass sie bei den Massen von Lesern oder Zuschauern so erfolgreich ist, nicht längst eine mögliche Realität geworden? Fasziniert bin ich vor allem von der Darstellung der „Bösen“. Es sind die Reichen, in völligem Luxus und Überfluss lebenden Menschen, die das andere Ende der Schere der sozialen Ungleichheit regieren, und durch dessen überzeichnete Darstellung Populäre Kultur stark kritisiert wird. Aber wird diese überzeichnete Darstellung überhaupt noch als Kritik erkannt? Erinnert uns die Aufmachung der Darsteller nicht an Disney-Figuren aus Alice im Wunderland, in die wir uns am liebsten verwandeln würden? Durch extravagante maßgeschneiderte Kostüme in grellen bunten Farben, puppenhaftes Make Up, höfische Perücken und vornehmes Etiketten-Gehabe hebt sich die Elite deutlich von den armen Menschen ab, deren Kleidung und Umgebung dagegen farblos erscheinen. Die armen Menschen sind die Guten, die reichen Menschen die Bösen die sich völlig unreflektiert und gelangweilt, der Diktatur hingeben und sich durch die Hungerspiele unterhalten lassen. Nach Marcus S. Kleiner wird Populäre Kultur wesentlich als Unterhaltungskultur verstanden und kann „insgesamt als der kommerzialisierte gesellschaftliche Bereich verstanden werden, der Themen industriell produziert, massenmedial vermittelt und durch zahlenmäßig überwiegende Bevölkerungsgruppen mit Vergnügen genutzt und weiterverarbeitet wird.“ (Jacke 2004) In Massen werden wir ab dem 12.11. in die Kinos gehen, uns der Unterhaltung hingeben mit dem Alibi „sowas kann nie in Wirklichkeit passieren“, und dann ohne darüber nachzudenken, wie viel von diesem Film eigentlich schon Wirklichkeit ist, schlafen gehen . Unsere Modedesigner werden sich von den Kostümen des Films inspirieren lassen, und irgendwann werden wir diese Mode, hergestellt von armen Menschen in armen Ländern, kaufen, um durch unser Aussehen Teil dieser populären Kultur zu sein, die sich nicht durch Bildung und moralische Werte, sondern durch Wohlstand und Luxus als moderne Elite inszeniert.

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