Category: Trauriges Mädchen MZ (page 2 of 4)

Streetart Stories

Mädchen10Text: CfFaust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 22

Die Löwin begleitet mich nicht mehr. Es war schön mit der Löwin. Jetzt bin ich wieder alleine. Aber ich will deshalb nicht mehr traurig sein. Hier ist einfach kein Platz mehr für Traurigkeit. Ich wurde schon so oft alleine in einer Ecke stehen gelassen, dass ich es gar nicht mehr zählen kann. Mein Herz ist schon so schwach von den vielen Wunden, dass eine mehr gar nicht mehr schmerzt. Die Zeit hilft darüber hinwegzukommen. Man lernt sich immer wieder aufs Neue zu finden. Man lernt, sich nicht mehr für andere fallen zu lassen. Man lernt die Einsamkeit. Ich hab mich ja auch längst wieder gefunden. Man verliert sich eben manchmal.  Aber das Schöne ist ja, dass man sich auch wiederfindet. Also muss man sich eben arrangieren. Der Traurigkeit nicht immer so viel Platz zu lassen. Sie auch mal einengen. Einfangen. Die Traurigkeit im Zaun halten. Continue reading

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10697381045_62ce950600_mText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 21

Ich denke, ich habe eine Freundin gewonnen. Es ist die Löwen-Mutter. Sie hat mich so bewegt mit ihrer Geschichte, dass ich mich ihr ganz geöffnet habe, ohne es zu merken. Die Geschichte der Löwin hat mich so bewegt, dass ich mich ihr auf einmal sehr nahe fühle. Auf einmal habe ich mich, ohne es zu merken, einem Menschen anvertraut, ohne von mir zu reden. Ich habe ihrer Geschichte gelauscht, ich habe ihrer Stimme Gehör geschenkt und auf einmal, ist da ein Vertrauen gewachsen, dass ich sonst nie zulasse. Ich fühle mich ihr sehr nahe. Auf einmal wird mir bewusst, wie sehr ich mich danach gesehnt habe zu vertrauen. Ich hatte ganz vergessen, wie man sich anfreundet. Ich hatte es verlernt. Mir war gar nicht bewusst, wie das auf einmal ganz plötzlich passieren kann, mit dem Sich-Anfreunden. Es war da ganz plötzlich Vertrauen da. Ganz plötzlich hat mich da eine Freundschaft eingeholt. Sie hat mich richtig erobert, diese Freundschaft. Continue reading

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image001Text: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 20

Ganz selten kommt es vor, dass ich die Stadt verlasse. Manchmal, wenn mich meine Sorgen zu erdrücken scheinen, dann kommt es vor, dass ich die Stadt verlasse. Es gibt da nämlich so einen Trick. Wenn man Kummer hat, und dieser Kummer einen zu erdrücken scheint, dann muss man aus sich herausgehen, und seine Sorgen von außen betrachten. Das ist zwar einfach gesagt. Aber es funktioniert wirklich. Wenn man einfach im Kopf aus sich heraus geht. Natürlich geht man dann nicht wirklich aus sich heraus. Es ist ein gedachtes Herausgehen. Das will ich ja auch mal sehen, wenn da jemand wirklich ganz in echt aus sich heraus ginge. Man muss es sich so vorstellen. Man denkt sich seine Probleme zusammen. Man bündelt sie. Man packt alle seine Sorgen zu einem Bündel zusammen. So wie man ein Bündel Klamotten zum Waschen bringen will, so bündelt man seine Sorgen zu einem Knäuel zusammen. Continue reading

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IMG_7938Text: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 19

Meine Mutter war immer alleine gewesen. Wer mein Vater ist, das weiß ich nicht. Ich kenne ihn nicht. Meine Mutter hat ihn natürlich gekannt. Aber er hat sie verlassen. Du kennst diese Geschichte. Du weißt, wie sehr ich darunter gelitten habe. Und doch, tust du mir dasselbe an. Auch du bist verschwunden. Einfach so. Von heute auf morgen, kehrtest du mir den Rücken zu und ließest mich alleine. So wie es mein Vater getan hat. Mein Vater, der meine Mutter und mich einfach so verlassen hat. Continue reading

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9001130954_07ea0a8b5e_zText: CFFaust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 18

Ich mag weiße Wände nicht. Wirklich. Ich mag sie einfach nicht. Sie engen mich ein. Ich kriege da manchmal richtig Beklemmungen. Wenn mich weiße Wände umgeben, bekomme ich Beklemmungen. Weiß kann richtig beklemmend sein. Ist ja auch gar keine richtige Farbe. Weiß. Ich finde, der Farbe Weiß, kann man ihren Status als Farbe aberkennen. So müsste man es machen. Weiß einfach nicht mehr als Farbe rechnen. Auf weißen Wänden Farbe, dass finde ich schön. Aber viele finden es nicht schön. Ich finde das eine ziemlich schwarz-weiße Sicht. Farbe auf weißen Wänden nicht schön zu finden. Schwarz-weiß-Denken ist das. Continue reading

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16396394686_cdb92c128b_mText: CFFaust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 17

Gerade geschieht etwas mit mir. Ich blicke an mir herunter und bin nicht mehr bei mir. Ich blicke an meinem Körper entlang, meine Augen folgen meinen Armen, meine Augen erblicken meine Hände und sie sind mir fremd. Meine Arme, meine Hände sie sind mir fremd, sie werden mir fremd. Wer bin ich? Wo bin ich? Ich stehe neben mir. Es ist, als ob ich neben meinem Körper stehe, was geschieht mit mir? Ich erblicke meinen Körper und er wird mir fremd. Ich spreize meine Finger, führe meine Hände zusammen, ertaste meine Hände. Sind sie von mir? Wer führt sie? Wer fühlt sie? Ich bin es nicht mehr. Im Hintergrund läuft das Radio. Ein Song aus dem Radio dringt unterbewusst in meine Gedanken. Der Song entschleunigt mein Denken. Continue reading

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8963364614_53dd3da0f7_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 17

Irgendwie fühle ich mich manchmal wie hingekotzt. Das klingt jetzt wirklich nicht sonderlich vornehm, aber ich fühle mich manchmal wie hingekotzt. Meine ganzen Gedanken kommen hier irgendwie einfach so raus, als ob ich sie ausspucken würde, als ob ich sie ganz hässlich und unüberlegt, aus einem Reflex heraus, herauskotzen würde. Manchmal, wenn ich einfach nur bin, ohne etwas zu tun, wenn ich zum Beispiel hier am Rhein einfach nur bin, um einsam nichts zu tun, dann ist mir schrecklich übel. Es ist eine Übelkeit, die vom Magen herkommt. Und dann wünsche ich mir jedesmal, mich zu übergeben. Damit alles einfach rauskommt, aus dem Magen. Damit diese Übelkeit weggeht und ich mich besser fühle. Danach. Nach dem Übergeben. Aber meistens, da will es nicht. Da will es nicht raus. Dann setze ich mich hin und schreibe. Dann kotze ich alles beim Schreiben raus. Continue reading

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Text:CF Faust 
Sprayer: Unbekannt

image001Die Stimme der Traurigkeit 16

Ich hatte die Veränderungen gespürt. Ich hatte damals etwas aufgewühlt, was längst passé gewesen war. Und dann war irgendetwas an mir dunkler geworden. Es war jedoch mehr mein Inneres, das dunkler geworden war. Nach und nach veränderte sich mein Äußeres. Meine Haut wurde dunkler. Es war eine Art stiller Protest von mir. Dass meine Haut dunkler wurde, war eine Art stiller Protest gewesen. Denn ich war so sauer gewesen auf meine Blässe. Mein ewiges Blass-Sein nervte mich. Es war mir zuwider. Ich wollte mich einfach nicht mehr so sehen. Immer war ich weiß wie eine Wand. Immer half ich mit Schminke nach, um unter Menschen zu gehen. Denn ich sah so krank aus, mit meiner Blässe. Ich denke, meine Blässe kommt daher, dass ich ein kränklicher Typ bin. Dann beschloss ich, ein anderer Typ zu werden. Continue reading

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8963072180_ae9561bc95_zText: CF Faust
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Die Stimme der Traurigkeit 15

Ich habe etwas ganz Blödes gemacht. Ich habe da etwas wieder aufgewühlt, was eigentlich längst passé war. Etwas aufzuwühlen, was eigentlich längst passé ist, ist wirklich etwas ganz Blödes. Aber so was macht man eben manchmal, wenn man einsam ist. Ich finde, man sollte das nicht verurteilen. Menschen, die wirklich einsam sind, die wissen ja, wie das manchmal ist. Vor allem Leute, die jemanden haben, sollten das nicht verurteilen. Etwas aufzuwühlen, was längst passé ist. Das passiert manchmal. Wenn man alleine ist. Und wenn der andere ja auch alleine ist, was ist dann schon dabei? Dann wühlt man da eben zusammen wieder was auf. Dann erinnert man sich da an was. Dann wühlt man da so zusammen. Und dann ist es ein Zusammen in irgendeiner Form. Und man versteht sich ja auch meistens noch. Oder man funktioniert gut zusammen. Ja, ich denke, das ist es. Man wühlt da wieder etwas auf, weil es so einfach ist. Man hat gerade niemanden. Oder man hat keine Kraft etwas Neues aufzubauen. Und dann wühlt man eben etwas auf, was längst passé ist. Continue reading

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8999658603_3dd8d63868_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 14

Es ist eine Kunst, alleine zu sein und dabei glücklich zu sein. Vor allem im Winter. Heute haben sie die Tannenbäume ausgepackt. Es ist ein komisches Gefühl, wenn sie die Tannenbäume auspacken. Ich finde es schön, dass einmal im Jahr, Sachen von draußen, nach drinnen geholt werden. Wobei man ja draußen gar nicht gerne ist, wenn es so kalt ist. Trotzdem holt man sich das Draußen herein. Ich bleibe auch im Winter gerne draußen. Mir macht die Kälte nichts aus. Ich bin kälteresistent. Wobei meine Haut manchmal ganz rissig wird, von der Kälte. Im Winter passiert es manchmal, dass meine Haut wegen der Kälte aufreißt. Dann sammelt sich das Wasser in den kleinen Fugen. In meinen Falten sammelt sich das Wasser. Und wenn es gefriert, dann platzt es. Und dann reißt meine Haut. Continue reading

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