MädchencrewSprayer: Unbekannt, Text: CF Faust

Die Stimme der Traurigkeit 8

Weißt du noch, als du mich deinen Freunden vorgestellt hast? Ich weiß es noch genau. Wie du mich deinen Freunde vorgestellt hast, das weiß ich noch ganz genau. Ich mochte deine Freunde sofort. Ich hatte sie sofort gern. Es waren tolle Freunde. Deine Freunde, waren tolle Freunde. Da gab es den Arzt. Dünn, groß und blass. Da gab es den Filmspezialisten. Dünn, blass und schüchtern. Da gab es den Biologen. Dünn, groß und düster. Sie waren alle sehr verschieden, deine Freunde, doch sie hatten alle denselben Humor. Einen sehr intelligenten Humor. Einen sympathischen Humor. Es war immer sehr unterhaltsam. Nie oberflächlich. Ich mochte sie alle sehr gerne. Sie machten dich in meinen Augen noch stärker. Du hattest Phasen, in denen du ganz abtauchtest. In diesen Phasen, in denen du ganz abtauchtest, warst du für niemanden erreichbar. Meistens brauchtest du den Abstand, weil du dich über irgendetwas geärgert hattest. Irgendwann kamst du wieder zurück. So als sei nichts geschehen. Dann wurde das Thema totgeschwiegen. So war es dir möglich, wieder zurückzufinden. Zu deinen Freunden. Zeitweise habe ich daran geglaubt, dass du auch zu mir wieder zurückkommen würdest. So wie du zu deinen Freunden immer wieder zurückkamst. Damals, als du mich an der Ecke hast stehen lassen, habe ich es gedacht. Dass du zu mir wieder zurückkommen würdest. So wie du zu deinen Freunden immer wieder zurückkommen wirst. Nach ein wenig Abstand. Doch du kamst nicht. Ein Teil von mir wartet immer noch an dieser Ecke auf dich. Wartet, dass du wieder zurückkommst. Doch wir beide wissen, dass nur Freundschaft schweigend verzeihen kann. Bei dir und mir gibt es kein Zurückkommen. Du würdest nie wieder zu mir kommen. Denn ich habe mich verändert. Ich bin nicht mehr so, wie ich war, als du mich an der Ecke hast stehen lassen. Ich wünschte nur, wir hätten darüber reden können. Einen schönen Abschluss finden können. Doch dir lag nichts an einem schönen Abschluss. Ich kann es mir bis heute nicht erklären, warum dir nichts an einem schönen Abschluss lag. Es ist sehr verletzend, wie du einfach so gehst, ohne die Dinge zu richten. Du gehst, ohne die Dinge in Ordnung zu bringen. Das ist sehr verletzend. Ich weiß nicht, wie deine Freunde das immer mitmachen. Es spricht für sie. Für deine Freunde. Sie akzeptieren diese Schwäche von dir, die sehr verletzend ist. Das solltest du deinen Freunden hoch anrechnen. Ich rechne es deinen Freunden hoch an, dass sie dich so akzeptieren, wie du bist. Ich vermisse sie. Deine Freunde. Ich weiß noch, wie wir alle zusammen diesen Spieleabend machten. Jeder brachte etwas zu essen mit. Für diesen Spieleabend wurde Essen vorbereitet, wurde Essen selbst gemacht. Selbstgemachtes Essen. Es sollte ein langer Abend werden. Alle freuten sich darauf. Alle bereiteten etwas dafür vor. Alle Freunde kamen zusammen. Es sagte niemand ab. Es war da ein Zusammenhalt, unter deinen Freunden. Das war toll. Wir tranken gar nicht viel Alkohol. Es war nicht nötig. Wir waren alle guter Stimmung. Ich erinnere mich an den großen Holztisch. An das viele Essen. An die Getränke überall. Jeder fühlte sich wohl. Man konnte so viel erzählen bei dem Spiel. Aber alle waren konzentriert bei dem Spiel, obwohl man so viel erzählen konnte. Ich konnte sehr gut mitreden. Bei dem Spiel konnte ich sehr viel mitreden. Ich konnte mich sehr gut einbringen. Obwohl ich mich nicht an die Regeln erinnere. Es störte keinen deiner Freunde. Es machte so viel Spaß das Spiel, obwohl ich die Regeln nicht konnte. Deine Freunde halfen mir mit viel Geduld. Deine Freunde waren sehr geduldig. Sie mochten mich alle gut leiden. Das spürte ich. Sie fragten danach immer wieder, ob ich wieder kommen würde. Zu einem Spieleabend. Gerne hätte ich mit deinen Freunden einen weiteren Spieleabend verbracht, aber du fragtest mich nie wieder, ob ich mitkommen würde.
Ich weiß noch, wie wir gemeinsam den Arzt bei seiner Nachtschicht besuchten. Das war toll. Einfach so. Einfach so waren wir nachts ins Auto gestiegen, um zu diesem Krankenhaus zu fahren. Nur weil wir wussten, dass der Arzt Nachtschicht hatte. Ich konnte ihn gut leiden. Deinen Freund, den Arzt. Ich mochte ihn so gut leiden, weil du ihn so gut leiden konntest. Ich vertraute ihm, weil du ihm vertrautest. Es sah nach einer stabilen Freundschaft aus. Von außen sah es sehr stabil aus. Ich denke, ihr seid wirkliche Freunde gewesen. Es beruhigte mich zu sehen, dass du so gute Freunde hattest. Ich fühlte mich sehr gut. Ein wenig war es wie deine Familie. Deine Freunde waren wie eine Familie für dich. Es war die einzige Familie, die ich richtig kennenlernte. Ich fühlte mich dir näher, weil ich deine Freunde kannte. Ich weiß noch, wie die Schwester ihn wecken musste, weil wir kamen. Dass wir kamen, war eine Überraschung für ihn. Der Arzt schlief in einem Zimmer und wurde nur für einen Notfall geweckt. Und dann kamen wir. Wir waren sein Notfall. Die Gänge in dem Krankenhaus waren alle leer. Es war ein wenig unheimlich. Doch es war ein tolles Gefühl. Nachts in ein Krankenhaus zu fahren, um einen Arzt bei seinem Nachtdienst zu besuchen. Du warst immer für verrückte Aktionen zu haben. Vor allem nachts. Das war toll. Die nächtlichen Aktionen mit dir waren immer ein Erlebnis. So war es auch gar kein schlimmes unheimliches Gefühl. Dort nachts auf den Gängen im Krankenhaus. Es war ein tolles Gefühl. Dein Freund freute sich. Wir erzählten und lachten viel. Das war toll. Aber wir waren sehr laut. Beim Lachen waren wir so laut, dass uns die Schwester hätte ermahnen müssen. Denn sicherlich hätten wir ja Patienten wecken können. Das Krankenhaus schlief. Die Patienten schliefen. Alles schlief. Nur wir saßen in dem kleinen Arztzimmer, erzählten und lachten. Ich glaube wir hatten auch etwas zu knabbern mitgebracht. Ich bin mir fast sicher, dass wir etwas zu knabbern mitgebracht hatten. Wir kamen so ins Erzählen, dass es spät wurde. Und dann gingen wir. Wir gingen, weil es zu spät wurde. Vielleich gingen wir auch, weil die Schwester uns ermahnte. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass es ein toller Ausflug war. Als wir zurück fuhren waren wir noch ganz euphorisch, von dem schönen Besuch, den wir dem Arzt gemacht hatten, mitten in der Nacht, bei seiner Nachtschicht. Deinen Freund besuchen zu fahren, das war eine tolle Idee gewesen. Ich mochte ihn sehr, deinen Freund. Er war wie alle deine Freunde. Ein sehr guter Freund. Wenn ich an deine Freunde zurückdenke, bin ich sehr froh, das du sie hast. Aber ich bin sehr traurig darüber, dass ich nicht mehr zu einem Spieleabend kommen kann. Ich bin traurig, dass ich nicht mehr mit dir, einfach so, mitten in der Nacht, den Arzt besuchen fahren kann. Aber es sind eben deine Freunde. Nicht meine. Und ich bin froh, dass du sie hast. Denn ich weiß, als du mich damals an der Ecke hast stehen lassen, bist du zu deinen Freunden gegangen. Denn zu ihnen, kannst du immer gehen. Zu ihnen. Deinen Freunden.