10697381045_62ce950600_mText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 21

Ich denke, ich habe eine Freundin gewonnen. Es ist die Löwen-Mutter. Sie hat mich so bewegt mit ihrer Geschichte, dass ich mich ihr ganz geöffnet habe, ohne es zu merken. Die Geschichte der Löwin hat mich so bewegt, dass ich mich ihr auf einmal sehr nahe fühle. Auf einmal habe ich mich, ohne es zu merken, einem Menschen anvertraut, ohne von mir zu reden. Ich habe ihrer Geschichte gelauscht, ich habe ihrer Stimme Gehör geschenkt und auf einmal, ist da ein Vertrauen gewachsen, dass ich sonst nie zulasse. Ich fühle mich ihr sehr nahe. Auf einmal wird mir bewusst, wie sehr ich mich danach gesehnt habe zu vertrauen. Ich hatte ganz vergessen, wie man sich anfreundet. Ich hatte es verlernt. Mir war gar nicht bewusst, wie das auf einmal ganz plötzlich passieren kann, mit dem Sich-Anfreunden. Es war da ganz plötzlich Vertrauen da. Ganz plötzlich hat mich da eine Freundschaft eingeholt. Sie hat mich richtig erobert, diese Freundschaft. Ich habe immer viel um Freundschaften gekämpft. Ich bin oft enttäuscht worden. Es hat auch manchmal jemand um mich gekämpft. Doch manchmal habe ich anders gefühlt. Oft konnte ich die Freundschaft nicht erwidern. Aber dann kam die Löwin. Und sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Ohne mich zu kennen, hat sie mir vertraut. Und auf einmal sind wir da in eine Freundschaft gerutscht. Wie auf Eis sind wir in die Freundschaft hineingeschlittert. Das Eis hätte auch brechen können. Aber es war richtig kräftig, das Eis, auf dem wir gelaufen sind. Das Eis, auf dem wir unsere Freundschaft erprobt haben, war stark. So stark war das Eis, dass wir gar nicht gemerkt haben, dass es Eis ist. Und auf einmal laufen wir zusammen auf dem Eis wie selbstverständlich. Und auf einmal schauen wir zurück und sehen, dass da ganz tolle Spuren sind im Eis. Es sind die Spuren von unseren Eisschuhen. Sie machen ganz tolle runde Schleifen. Die Spuren im Eis sehen aus wie Kunstwerke. Vor uns liegt das Eis ohne Spuren. Aber hinter uns, liegt das Eis wie ein Kunstwerk. Ein Eiskunstwerk. Denn unser gemeinsamer Weg ist noch sehr kurz. Aber es ist ein sehr schöner Weg. Vielleicht werden sich unsere Wege auch trennen. Es gibt so viele Wege, die sich trennen und die dann wieder zueinander finden, ohne dass man eigentlich erklären kann, wieso. Das ist das Magische an Freundschaften. Ich weiß nicht, ob sich unser Schleifenkunstwerk auf Eis noch vergrößern wird. Aber es gefällt mir so gut, dass ich gar nicht böse darum bin, wenn es nur so klein bleibt. Ich bete nur dafür, dass es nicht einbricht. Das ist mein einziger Wunsch. Das Eis soll nicht brechen. Das Eis zwischen uns ist nun zwar gebrochen, nun, da wir uns vertrauen. Doch das Eis, auf dem sich unsere Freundschaft entwickelt, das soll uns weiterhin tragen. Deshalb müssen wir es respektvoll behandeln. Ich bitte dich auch darum. Das wir das Eis respektvoll behandeln. Behutsam. Wir sollten behutsam damit umgehen. Man kann sich schnell verletzten auf dem Eis. Ich glaube, ich habe große Angst davor, mich auf dem Eis zu verletzen. Aber wenn wir uns gegenseitig stützen, dann wird schon niemand hinfallen. Dann wird sich schon niemand verletzen. Und wenn sich unsere Wege trennen sollten, und wenn du dann mal stürzen solltest, dann komme ich und helfe dir aufzustehen. In Ordnung? Können wir das so machen? Ich fände es sehr schön. Den Gedanken, dass wir einander wieder hochhelfen. Das wäre doch ein schönes Bild. Ich bin zwar nicht so stark wie du. Du bist ja die Löwin. Ich glaube du bist viel stärker als ich. Das tut mir ein bisschen leid, dass du die Stärkere bist. Eigentlich, hättest du eine stärkere Freundin verdient als mich. Als Löwin hat man die stärksten Freunde der Welt verdient. Aber ich glaube, ich bin sehr treu. Ich denke, das ist auch schön. Ich denke ich bin ein bisschen wie ein Schwan. Manchmal bin ich sehr stolz. Das ist eine schrecklich hässliche Art von mir. Das tut mir dann auch richtig leid. Also wenn ich dir gegenüber mal so stolz bin, dann musst du mich unbedingt zurechtweisen. Dass das so nicht geht meine ich. Dann musst du mich so richtig anbrüllen. Wie eine Löwin brüllen musst du dann. Das habe ich dann verdient. Und das wird das Eis auch aushalten. Wirklich. Da darfst du dir keine Gedanken machen. Du musst dir wirklich keine Sorgen machen, dass das Eis bricht, wenn du mich mal anbrüllst. Das hält es aus. Das Eis. Kann sein, dass dann mal mehr so ein Zickzack-Kunstwerk entsteht auf dem Eis. Das ist dann aber wirklich in Ordnung. Immer nur Schleifen sind ja auch langweilig. Aber wenn ich auch manchmal stolz bin, bin ich trotzdem immer treu. Das geht sogar richtig lang. Bis zum Ende. Das Treu-Sein. Geht so lang, wie auch ein Leben lang ist. Also wenn du mich durch deine Kraft stärkst, dann kann ich dich durch meine Treue stärken. Wäre das in Ordnung für dich? Für eine Freundschaft muss man ja ein Gleichgewicht haben. Und ich will ja nicht, dass du immer alles gibst, und ich dir nichts dafür zurückgeben kann, das wäre total unfair für dich. Mit deiner Stärke und meiner Treue können wir das Eis zusammen begehen, denke ich. Und falls wir doch einmal einbrechen sollten, dann schaffen wir es vielleicht, ein Stückchen zusammen zu schwimmen. Das wäre schön. Ich bin ein guter Schwimmer. Und im Wasser können wir uns dann an den Eisschollen festhalten. An den Eisschollen, wo unsere Schleifen drauf sind. Und wenn wir unsere Schleifen sehen, dann halten wir uns an diesen Schleifen-Kunstwerken fest. Und dann schaffen wir es bestimmt wieder ans Ufer, wir zwei. Die Löwin und der Schwan. Danke, dass du das erste Eis gebrochen hast zwischen uns. Danke, dass du mir deine Geschichte anvertraut hast. Danke, dass du dich von meinem Stolz nicht hast abschrecken lassen. Ich bin sehr stolz darauf, mit der Löwen-Mutter befreundet sein zu dürfen. Ich wollte, dass du das weißt.