Lady Gaga nur als Popsängerin aus dem Radio zu kennen genügt nicht. Lady Gaga ist Performance-Künstlerin und ihre Kunst, die als Gesamtkunstwerk aus Bild, Text, Performance und Musik besteht, ist in der Kategorie Popart einzuordnen. Popart, die nicht nur seichte Unterhaltung darstellt (wie es der Popmusik oft vorgeworfen wird), sondern Popart die reflektiert und analysiert werden muss. Ihre Live-Auftritte überraschen, die Frau hat wirklich Stimme! Frau? “A hybrid can withstand these things” Ob sie bei den MTV Music Awards 2009 verkleidet als ihr Exfreund auftritt, ob Nahaufnahmen ihres zweigeschlechtlichen Intimbereichs auftauchen, oder sie sich wieder einmal halb nackt präsentiert, sie inszeniert ihre Körperlichkeit wo sie nur kann, sodass Subjekt zum Objekt wird, so wie sie es von der berühmten Performancekünstlerin Marina Abramović durch Videoanalysen gelernt hat. Doch inszeniert sie damit, wie ihr oft vorgeworfen wird, nur Skandale die sie in der Öffentlichkeit bekannter machen? Was ist hier Kunst, was ist hier einfache Pop-Marketing-Strategie? Was bedeutet überhaupt PopArt? Was bedeutet Pop? Nach Marcus S. Kleiner liegt Pop zwischen einer Bejahung und einer umstürzlerischen Rebellion, ein Spannungsfeld zwischen „populär“ und den Worten „Stoß, Knall“. So ist Lady Gaga. Sie ist populär, hat Millionen Fans, und doch hält sie uns immer wieder, mit einem großen energiegeladenem „Soundknall“ den Spiegel vor, kritisiert und parodiert unsere Gesellschaft, explizit den Konsum von Kunst und Pop. Wie macht sie das? Kunst hat sie studiert, Marina Abramović nennt sie immer wieder als Inspiration, sowie den Künstler Jeff Koons, den sie explizit in ihrem Song „Artpop“ nennt: „One second, I’m a Koons Then suddenly the Koons is me!“ Lady Gaga sieht sich selbst als Kunstwerk, der Popart zugehörig: „Pop culture was in art Now, art’s in pop culture in me!“ und reflektiert ihr Leben in der Öffentlichkeit in Songs wie „Paprazzi“ oder „Applause“ wenn sie singt „I live for the applause, applause, applause!”, sie ist also Star und Reflexion eines Stars zugleich, beispielsweise wenn sie sich als Marilyn Monroe stylt. Wie viele Popstars diese Schablone schon benutzt haben um sich als Star zu präsentieren. Britney Spears, Christina Aguilera, Gwen Stefani etc. Wieso funktioniert es immer noch? Weshalb spricht niemand von einem Plagiat? Ich denke es ist Warhols Siebdrucken zu verdanken, dass Marilyn Monroes Foto zum Stereotyp eines Stars an sich geworden ist. Und so hat es Madonna, mit ihrem Plattencover „Celebration“ geschafft, als Königin der Marilyn-Kopie zu gelten, da sie hier im Stil der Siebdrucktechnik, den klaren Verweis zu Warhol liefert. Es scheint also eine Verbindung von Pop und Kopien des Pop zu geben. Tatsächlich finden sich bei youtube zahlreiche Videos, die anhand von Bild- oder Videomaterial bestätigen, dass Lady Gaga Popikonen kopiert. Es ist jedoch nicht negativ als Plagiat zu bewerten, sondern als bewusst artifizielle Strategie – alles Reproduzierte wird von Gaga transformiert indem es in einen neuen Kontext gestellt wird. Dadurch wird sowohl Bewunderung als auch Kritik gegenüber dem Kopierten ausgedrückt. Pop bedeutet Transformation von Reproduktion, und deshalb ist Lady Gaga als Queen des „Artpop“ anzusehen.