Die berühmteste Tosca-Filmaufnahme ist wohl die von Maria Callas von 1964. Leider existiert nur der zweite Akt von Franco Zeffirellis Inszenierung im Covent Garden in London als Filmausschnitt. Trotzdem reicht dieser kurze Ausschnitt, um Zeugnis von Maria Callas unglaublichem, künstlerischem Talent zu geben. Nicht ohne Grund wird dieser Filmausschnitt noch heute an Schauspielschulen als Lehrmaterial benutzt. Diese unglaubliche Bühnenpräsenz und die Bereitschaft bei jeder Aufführung an die eigenen psychischen und physischen Grenzen zu gehen, hat sich kaum ein Sänger zuvor oder danach getraut. Natürlich hat diese leidenschaftliche Art des Auslebens der zu singenden Rolle seinen Preis. Bereits 1958 gelangt Maria Callas an ihre stimmlichen Grenzen. Im sogenannten „Rom-Skandal“ muss Maria Callas die Vorstellung abbrechen da ihre Stimme der Belastung nicht mehr standhält. In der Einmaligkeit der Stimme liegt auch ihre Tücke. Man muss sie schonen. In der Tosca-Aufnahme hört man deutlich heraus, dass die Stimme schon „angeknackst“ wenn nicht sogar „kaputt“ ist. Mehrmals muss Tosca zum hohen C und das natürlich im dramatischen Forte. Wenn Tosca vorgibt sich Scarpia zu unterwerfen und ihr Geliebter Mario im Hintergrund gefoltert wird, dann singt Callas nicht mehr, sie schreit. Und das soll keineswegs abwertend klingen, im Gegenteil, dass ist es, was so sehr beeindruckt. Tosca ist die Gequälte, die Leidende. Und eine Frau, gefangen zwischen Liebe, Hass und Begierde, kann ein hohes C nicht mehr „schön“ singen. Callas Stimme scheint sich in dem Moment vom Körper zu lösen, ihre Stimme scheint „körperlos im Raum zu schweben“. (Clemenz Risi 2006) Tosca ist außer sich, sie ist am Ende ihrer Kräfte und so muss auch ihre Stimme klingen. Und wenn sie qualvoll, durch psychische Anstrengung außer Atem hervorstößt: „Assassino!“ (Mörder). Dann sind das mehr als Worte. Auf die Worte kommt es nicht mehr an. Die Stimme steht im Vordergrund, die Stimme, die am Ende ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit steht, die Stimme die es vermag, alles Leid dieser Frau vereint wieder zu spiegeln, steht über allem und drückt alles aus. Callas’ Tosca rückt also, ganz im Sinn von Lehmann, die reine Physis der Stimme in den Vordergrund und schafft zusammen mit umwerfendem Ausdruck ein Meisterwerk.
Maria Callas ist nicht durch die Schönheit ihrer Stimme berühmt geworden, im Gegenteil. Schon als Heranwachsende wurde Callas vom Athener Konservatorium abgelehnt mit der Begründung „eine hässliche Stimme“ zu haben. (Wendt 2006 „Meine Stimme verstörte die Leute“) Ihre Stimme „verstörte die Leute“, wie Gunna Wendt ihr Buch über Maria Callas betitelt. Callas hat ihre Rollen gelebt und so wie Tosca leidet, hat auch Callas, jedes Mal wenn sie das Werk Puccinis sang, gelitten. Jede gezeigte Empfindung scheint eine Erinnerung an eine eigene schmerzliche Empfindung zu sein. „Der Spiegel, den Sie benutzen müssen, ist in Ihnen, ein geistiger Spiegel“ (Wendt 2006), so Callas selbst zu ihren Schülern. Floria Tosca ist eine berühmte Sängerin in Rom. Auch wenn Maria Callas die Rolle an sich nicht gemocht hat (Wendt 2006), verkörperte sie sie, wie keine andere Opernsängerin. Sie ist die Rolle jenseits von Text und Bühne. Callas ist die Rolle im Seufzen, im Ächzen und im qualvollen Schrei. Maria Callas lebte für die Kunst „Vissi d’arte“