Koyaanisqatsi und Berlin Sinfonie der Großstadt

Neulich, bei meiner täglichen Youtube-Lektüre, bin ich auf den Film „Koyaanisqatsi“ gestoßen. Von Musik (Phillip Glass) und Bilderflut seekrank, musste ich an Ruttmanns Film „Berlin. Sinfonie der Großstadt“ denken, da gibt’s doch ne Menge Gemeinsamkeiten, dachte ich mir, und begann zu assoziieren, weshalb mich Großstädte von der Ferne betrachtet, so faszinieren. Das kam dabei heraus:
Beiden Filme verfolgen keine Narration im klassischen Sinne, mit Haupt-und Nebenpersonen und einer in sich geschlossenen Handlung, sondern sie begnügen sich ganz mit der dokumentarischen Darstellung von Stadtraum und Umgebung. In Ruttmanns Film ist die Stadt der Protagonist in Reggios Film ist es sowohl die Natur, als auch die Technologie und die Stadt. Ruttmann zeigt uns in seinem Film das Ausmaß der Industrialisierung und Urbanisierung. Das Stadtthema ist also ein Thema der Moderne. Für Zygmunt Bauman (2000): Flüchtige Moderne. FfM.) ist die Moderne vor allem die Zeit, in der sich das Verhältnis von Raum und Zeit verändert. Er benutzt „die Emanzipation der Zeit vom Raum“ als seinen Ausgangspunkt der Analyse zur Moderne. In dem Moment wo der Mensch sich über seine eigene Muskelkraft (die Gleichheit unter den Menschen herstellte) hinaus mit Hilfe von Maschinen weiterentwickelt, entsteht eine Ungleichheit zwischen den Menschen. Begünstigt sind die, die Geld für Maschinen haben. Dadurch findet eine „Eroberung des Raumes“ statt. Genau diese Eroberung des Raumes wird in den Filmen dokumentiert. Hauptmotive sind zum Beispiel die Eisenbahn, Maschinen, verschiedene Arten von Arbeit, Verkehr von Menschen und Transportmitteln. Man könnte also sagen, dass Ruttmann die Stadt an sich als große Maschine darstellt und damit die Zeit der Moderne als die Zeit der Maschinen dokumentarisch in Szene setzt. Mit den Maschinen werden auch die Transportmittel immer weiter entwickelt. Bei Ruttmann sehen wir noch Pferdekutschen neben den Autos. Dies bringt uns wieder zu dem Fahrzeug an sich, das, wie Bauman meint, Grund für die Vorrangigkeit der Zeit vor dem Raum ist. Die Fahrzeuge sind es, die das Stadtleben beschleunigen. Nach der Devise Zeit ist Geld, wollen immer mehr Menschen schneller von einem Ort zum anderen gebracht werden. Das Stadtleben ist geprägt von Eisenbahnen, Straßenbahnen, Pferdekutschen, Autos, kleinen Doppeldeckerbussen usw. Ruttmanns „Berlin“ ist sowohl die Stadt der Maschinen als auch die Stadt der Beschleunigung. Moderne wird hier also ganz im Sinne Baumans als „im Sternzeichen der Beschleunigung“ geboren inszeniert. Trotzdem bleibt die Kamera bei Ruttmann meistens auf die Stadt Berlin fokussiert, eine räumliche Eingrenzung ist also noch vorgegeben.
Bei Reggios „Koyaanisqatsi“ finden wir zwar die gleichen Bilder von Industrialisierung und Urbanisierung, in deren Folge die Beschleunigung eine entscheidende Rolle spielt. Aber die Moderne ist hier schon weiter fortgeschritten, wir haben es nun mit der Technisierung zu tun. Die Kamera reist von Naturlandschaften über Seen und Berge bis in die Großstadt, bis in das Weltall. Immer wieder wechselt die Perspektive von der Luft in die Naheinstellung in den Stadtraum. Es wird, „jeder Raum im wahrsten Sinne des Wortes »ohne Zeitverlust«“ überwunden. Reggio geht es nicht darum zu zeigen, dass wir Technologie benutzen: „It’s not that we use technology, we live technology. Technology has become as ubiquitous as the air we breathe, so we are no longer conscious of its presence.“ http://www.youtube.com/watch?v=t9YrItlXQZA
Wenn im Film also Bilder von Computerchips in einem schnellen Schnitt an Bilder des Stadtraumes aus der Luft montiert werden, dann stellt Reggio eine Analogie von dem Muster einer Stadt und dem Muster eines Mikrochips her. Bei Reggio wird die Moderne also als Zeit der Technologisierung inszeniert. Das Ausmaß der Industrialisierung und Beschleunigung, wie wir es in Ruttmanns Film „Berlin“ noch vorfinden, hat sich bei Reggios „Koyaanisqatsi“ ins Unvorstellbare gesteigert. Autos sind hier mit Hilfe des Zeitraffers nachts nur noch als zuckende Lichter zu erkennen, das Zeitalter der Beschleunigung hat also die „Lichtgeschwindigkeit“ erreicht. Diese Lichter ergeben aus der Entfernung und durch filmische Techniken bestimmte Muster. Muster, die sich in bestimmten Zeitrhythmen bewegen. Dies erkennt man vor allem bei Reggio in der Szene, in der aus der Luft der Autoverkehr im Zeitraffer gefilmt wird. Das durch die Ampelschaltung geregelte ‚Stop and Go‘ der Automassen lässt immer wieder Linien entstehen, die den Stadtraum durchkreuzen. Alles in einem bestimmten Zeitrhythmus, damit keine Unfälle entstehen sind die Ampelschaltungen genauestens berechnet. Nur so ist es möglich, in so kurzer Zeit wie möglich, so viele Autos wie möglich in Bewegung zu halten und Staus zu vermeiden. Die Fließbandarbeit in großen Fabriken wird neben das Verkehrschaos auf den Straßen geschnitten, Naturereignisse werden neben Explosionen von Raketen gezeigt. Beide Filme zeigen uns ein Nebeneinander von sozialen Unterschieden, wissenschaftlichen Errungenschaften und absurden Fehlkonstruktionen. Wunden und Baustellen verschiedenster Art, die alle die Moderne hervorgerufen hat und mit denen wir Stadtmenschen nun täglich leben müssen.

Ich bin dann mal Stadt

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