Was ein Flashmob ist meint jeder zu wissen. Eine bestimmte Aktion die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort, über Handy oder Internet verabredet, plötzlich und die Passanten „flashend“, durchgeführt wird und genauso abrupt auch wieder aufgelöst wird. Das Wort „flash“ zielt dabei auf das blitzartige Entstehen und Auseinandergehen der Aktion ab, das Wort „mob“ kann man als „Meute“ oder „Pöbel“ übersetzen oder aber von dem Wort „mobilis“ (beweglich) ableiten. Howard Rheingold spricht von „Smartmobs“, intelligenten Mobs, die sich für vorwiegend politische und soziale Aktionen einsetzten. Flashmob ist die Antwort des Westens, der Luxus und Spaß im Überschuss, in einer großen sinnleeren Aktion verpuffen lässt. Kissenschlachten, Ninja-Massenkampfspiele, Burgerking-Bestellattacken. Man kennt sich nicht, man dreht zusammen durch, man geht wieder auseinander. Genau das Maß an Gemeinschaft, das keinerlei Verpflichtung mit sich bringt. Anonym abfeiern und unwissende Passanten schockiert zurücklassen, sie wachrütteln und rufen: Alltag kann auch Bühne. Was aber nun tun, mit all den Musik und Tanzvideos, die sich als Flashmobs ausgeben? Chaotisch durcheinander tanzen und dann verschwinden wie der Blitz, das wäre ein Flashmob im ursprünglichen Sinn. Ein Lied oder eine Choreografie einüben, Zuschauer einladen und einweihen, nach der Aktion stehen bleiben, sich beklatschen und sich gegenseitig filmen, das ist kein Flashmob mehr, das ist eine Aufführung. Ein mob ohne flash. Eine Aufführung die zeigt, wie unbefriedigend die Idee des Flashmobs ist, ohne gemeinsame Reflektion die Aktion verpuffen zu lassen, ohne Chance sich untereinander auszutauschen. Eine Aufführung die zeigt, dass man heute nicht mehr ohne eine Inszenierung seines Alltags auskommt. Zwanghaft muss das Alltägliche inszeniert und dokumentiert werden, damit die eigens in Szene gesetzte Rolle (Wir alle spielen Theater – Goffman) dann anhand von Beweisvideos oder Fotos von allen als wahr und glaubhaft bewundert werden kann. Eine Tanz- oder Choraufführung in gewohntem Rahmen reicht nicht mehr aus, um zu faszinieren, er muss als „flash“ verkauft, auf der Bühne des Alltags stattfinden um Begeisterung hervorzulocken. Aufführungen müssen nicht mehr nur eine Inszenierung zeigen, die Aufführung an sich, muss beispielsweise in Form eines Flashmob-labels speziell inszeniert werden. Zuschauer gehen zu einer Show, nehmen nicht nur als Zuschauer an der Show teil, sondern werden als Akteur zu der Show an sich – passiver Zuschauer ist nur noch wer vor dem Bildschirm das Video anschaut: