IMAG0900Text: CfFaust
Sprayer: Unbekannt

FFM CITY GHOST THROW UP

Ich bin überall. Weißt du, was ich mein. Überall am Start. Will mich ja eigentlich mehr rar machen. Rar. RAR Alter. Rar machen. Komisches Wort. Und dann mach ich mich doch wieder überall sichtbar. I put myself out there. Out there. For real. Da draußen. Da bin ich am Start. An dem Stromkasten, mal doppelt, mal schattig, auf dem Mülleimer, ganz klein, auf dem Schild ganz groß. Bin einfach da draußen. Out there. Warte auf ne Tür, die aufgeht. Brauch Kohle. Brauch Geld. Und kann mich nich entscheiden. „Welchen Weg soll ich gehn, lauf ich links, lauf ich rechts, oder bleib ich stehn.“ Torch hilft. Bin an so nem Punkt im Leben angelangt. So nem Kreuzungspunkt. Überleg und überleg. Kann mich nich entscheiden. Dann renn ich über die Kreuzung, dann wieder zurück. Eine Richtung Autobahn, andere Richtung Zentrum. Autobahn will Peripherie. Dann wär ich weg. Zentrum verschluckt mich aber auch. Sich dem Zentrum zuwenden. Sich vom Zentrum abwenden. Selbstfindungsprozess. Lenkt mich ab. Bin gefangen. Gefangen zwischen Zentrum und Peripherie. Na toll. So ‘n Dazwischen. Warte auf ne Tür, die aufgeht. Von alleine. Hab keine Kraft, die Türen aufzubrechen. Könnt mich ja einfach dagegen werfen. Mit Körperkraft. Muggies und so. Hab aber keine. Also Kopf. Also mit Kopf. Mit Köpfchen. Gut. Denk ich nach, überleg so hin und her, rüber über die Kreuzung oder nich, tut sich auch nix. Vom Denken geht ne Tür schon gar nich auf. Bisschen action muss schon sein. Also mit Tricks hat bisher immer geklappt. Will ja aber auch mal ne Tür aufmachen ohne Perso oder so. Einfach öffnen und durchgehen, so als ob‘s einfach so hätte sein sollen. Wär das cool, wenn mal so ne Tür von allein aufgeht. Stattdessen so viele Möglichkeiten. Ampeln ohne Ende, grünes Männchen rotes Männchen, eigentlich alles geregelt. Klappt trotzdem nich. Okay. Also guck ich, was sonst noch geht. Bahngleise. Haltestelle. Bus. Bahn. Weg hier. Transportmittel. Was nützt mir ne Bahn, wenn ich nich weiß, welche Richtung es sein soll. Dann wieder Streiks. Stillstand. Komplett auf Eis alles. Erstmal aufs Eis legen. Alter. Geht gar nich. Per Anhalter. Hab eh kein Geld für die Bahn. Da wärn wir wieder. Der Anfang von dem Scheiß hier. Mach ja schon was. Das hier. Mich hier out there putten. Das is mein Job. Das versteh ich als mein’n Job. Straße is auf Arbeit. Ohne Scheiß. Das will ich machen, das fühlt sich gut an. Weiß wenig. Hab nie gewusst, was machen. Aber das weiß ich. Das wusst ich immer. Das will ich machen. Mich überall hier draußen hinmachen. An den Strommast. An den Mülleimer. Mir egal, was andere davon halten. Aber für mich isses Inhalt. Lebensinhalt. Klingt wieder so dramatisch. Mir egal. Bin mir da einfach voll sicher. Nur dass es nix einbringt. Scheiße Mann. Ich muss ja auch leben. Also bisschen was legal machen? Bin gar nich geil auf Geld. Aber so bisschen muss man doch leben. Dann such ich nach Jobs. Überall. Im Internet. Aber dann Bewerbung schreiben? Alter, es gibt nix Schlimmeres, als sich bewerben. Was ich bisher gemacht hab? Wer ich bin? Was ich kann? Muss man sich präsentieren. Boah. Das kann ich so gar nich ab. Sich vor anderen präsentieren. Auf nem Blatt geht das super. Mal denen in fünf Sekunden n Portrait von mir. Scheiß aufs Passbild. Kotz ich denen direkt aufs Blatt. Nettes Throw up gibt das dann. Aber dann mich so anders präsentieren? Auf der Straße bin ich doch überall. Da präsentier ich mich. Wo ich nur kann. Überall, wo ich bin, wo ich hingeh, wo ich mal war. Aber halt immer nur nachts. Oder bisschen heimlich. Aber so bei Tageslicht mal richtig die Maske fallen lassen? Auf nem Papier auch mal so andere Sachen präsentieren? Voll schwer. Will ich nich. Mag ich nich. Kann ich nich. Dabei hätt ich ne Menge vorzuweisen. Bin gar nich so ne Null. Hab nen guten Lebenslauf. I’m good on paper. Aber das bin ich einfach nich. Ich will mit dem out there putten Geld verdienen. Doppelidentität. Sucht. So isses wohl. Aber ich vertrau irgendwie drauf. Das noch mal was kommt. Was, wo ich Geld machen kann. Und wo ich trotzdem ich sein kann. Das wird kommen. Also mach ich weiter. Und dann spann ich mein Netz. Zwischen Peripherie und Zentrum. Spann ich mein Netz und warte drauf, bis ich was fang. Den großen Fang. Meinen Catch. Bis dahin: Catch me if you can.