8963072180_ae9561bc95_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 15

Ich habe etwas ganz Blödes gemacht. Ich habe da etwas wieder aufgewühlt, was eigentlich längst passé war. Etwas aufzuwühlen, was eigentlich längst passé ist, ist wirklich etwas ganz Blödes. Aber so was macht man eben manchmal, wenn man einsam ist. Ich finde, man sollte das nicht verurteilen. Menschen, die wirklich einsam sind, die wissen ja, wie das manchmal ist. Vor allem Leute, die jemanden haben, sollten das nicht verurteilen. Etwas aufzuwühlen, was längst passé ist. Das passiert manchmal. Wenn man alleine ist. Und wenn der andere ja auch alleine ist, was ist dann schon dabei? Dann wühlt man da eben zusammen wieder was auf. Dann erinnert man sich da an was. Dann wühlt man da so zusammen. Und dann ist es ein Zusammen in irgendeiner Form. Und man versteht sich ja auch meistens noch. Oder man funktioniert gut zusammen. Ja, ich denke, das ist es. Man wühlt da wieder etwas auf, weil es so einfach ist. Man hat gerade niemanden. Oder man hat keine Kraft etwas Neues aufzubauen. Und dann wühlt man eben etwas auf, was längst passé ist. Weil man ja weiß, was man kriegt. Weil man ja weiß, worauf man sich einlässt. Es ist dann nicht so gefährlich das Ganze. Weil man ja irgendwie schon Bescheid weiß vorher. Ich denke auch gar nicht mehr so sehr, dass es so blöd war. Was ich da aufgewühlt habe. Es ist aber so, dass ich jetzt merke, dass ich mich verändert habe. Ich weiß nicht, ob ich mich im positiven Sinne verändert habe. Ich bezweifle es. Ich bezweifle, dass ich mich im positiven Sinn geändert habe. Ich denke, ich bin egoistischer geworden. Aber ich glaube, das war auch mal nötig. Man muss auch ein bisschen egoistisch sein, wenn man alleine ist. Sonst geht man kaputt. Ich glaube, ich bin ein bisschen dunkler geworden. Ich sehe mich irgendwie dunkler. Blasser im Gesicht. Aber das kommt sicherlich nur daher, dass ich so wenig Schlaf hatte. Egoistischer zu werden, bringt vielleicht auch äußerliche Veränderungen mit sich. Wenn das für mich bedeutet, dass ich dunkler werde. Meinetwegen. Das Leben zeichnet einen. Bin ich eben vom Leben etwas dunkler gezeichnet. Und die Blässe, die ist bestimmt bald nicht mehr so schlimm. Ich geb jetzt wieder mehr auf mich Acht. Man muss ja auf sich Acht geben. Und das geht nur, wenn man ein bisschen egoistisch ist. Ich habe mir eben genommen, was ich brauchte. Ich brauchte Nähe. Befriedigung. Ja, Befriedung auch. Der Körper braucht das eben manchmal. Das muss man einfach mal so feststellen. Manchmal, da braucht der Körper eben Nähe. Da vergisst man schon mal, wer man ist. Wenn man mal dem Körper nachgibt. Und mal drauf hört, was der will. Aber das soll auf jeden Fall nicht zur Gewohnheit werden. Eigentlich hätte ich es nicht wieder aufwühlen sollen, wegen dem gesunden Egoismus. Ich hätte besser auf mich Acht geben sollen. Mir einen Anderen suchen sollen. Aber ich mag ihn eben. Und da so einen ständigen Wechsel zu haben, das kann ich einfach nicht. Ich muss mich schon geborgen fühlen. Für das Körperliche muss ich vertrauen können. Und da war einfach immer noch Vertrauen da. Komisch eigentlich. Ich hatte ja damit abgeschlossen. Aber irgendwas ist einfach immer noch da. Jetzt ist es sowieso passiert. Jetzt kann ich ja eh nichts mehr machen. Und in dem Moment, als ich da wieder was aufgewühlt habe, da war es mir egal. Da wollte ich es einfach. Ohne an die Konsequenzen zu denken. Früher war es besser. Ich denke die Übung fehlt ein bisschen. Es war nicht so gut wie früher. Ich denke das Vertrauen reichte doch nicht aus. Ob das jetzt noch mal vorkommen wird, das weiß ich nicht. Ich plane ja nichts. Ich plane rein gar nichts. Ich habe absolut keine Erwartungen mehr. Vielleicht ist das auch das Gute jetzt. Das ich mal zur Abwechslung keine Erwartungen habe. Aber ich habe große Angst vor Respektlosigkeit. Ich hatte das Ganze ja beendet. Und dann habe ich es jetzt zum zweiten Mal aufgewühlt. Das ist so gar nicht konsequent. Das ist sogar ziemlich inkonsequent. Aber es ist mir egal, wie das ist. Ich brauchte es einfach. Ich habe ja auch dazwischen niemanden gehabt. Das ist die Wahrheit. Ich habe niemand anderen gehabt. Ich fühle mich besser, wenn ich was wieder aufwühle, als wenn ich einfach immer wieder jemand Neues suche. Ich mag das nicht. Das Wandern. Auch wenn das die Liebe vielleicht liebt. Ich hasse es. Das Wandern. Ich hasse es wie die Pest. Das Wandern ist mir so zuwider. Abscheulich ist das. Der Hass kommt nicht unbedingt von der Moral. Ich bin wirklich nicht die Heilige Jungfrau. Das habe ich ja schon mal klargestellt. Also ich hasse das Wandern nicht aus moralischen Gründen. Wer das kann, das mit dem Wandern, soll das ruhig machen. Wenn er damit glücklich wird. Damit habe ich nichts zu schaffen. Ich verurteile es auch nicht, das Wandern. Es ist einfach nur so, dass ich es nicht kann. Ich habe unglaubliche Angst vor dem Ganzen. Also wenn ich an das Körperliche denke. Wirklich. Ich habe Angst vor Berührungen. Ich mag ja nicht mal Umarmungen. Freundschaftliche Umarmungen sind schon schwer für mich. Und wenn es dann zur Sache geht. Das kann ich nicht mit Jedem. Da zucke ich oft schon bei der kleinsten Berührung zusammen. Auch wenn sie ein Versehen war. Aber wenn dann mal so eine Vertrauensbasis da ist. Dann geht es super. Dann ist es sogar ganz großartig. Da stelle ich mich dann auch nicht mehr so kindisch an. Mit den Berührungen. Wenn die erste Hemmschwelle überwunden ist, dann kann es losgehen. Da ist dann nichts mehr von wegen stilles Mädchen. Stille Wasser. Das weiß man ja, wie die sind. Also wühle ich die Dinge auf. Damit ich nicht Wandern muss. Damit ich bloß nicht wandern muss. Und dann weiß man ja schon genau, was man machen muss, damit es losgeht. Man kennt sich ja. Man mag sich ja. Nur man liebt sich nicht. Da wird einem dann erst einmal bewusst, wie schwer das eigentlich ist, mit der Liebe. Verflixt schwer ist das. Aber mir geht es gut. Ich konnte das wieder aufwühlen, weil ich im Moment sehr stark bin. Ich bin in meiner Einsamkeit sehr stark im Moment. Dass ich das dann aufgewühlt habe, macht mich zwar vor dir schwach. Aber ich habe kein Problem damit, vor dir Schwäche zu zeigen. Ich habe keine Lust auf Machtspielchen. Ich brauchte dich eben. Und du warst da. Es war so, als ob ich es für mich getan habe. Es war ein wenig egoistisch von mir. Aber ich fühle mich sehr gut damit. Ich warte jetzt auch nicht auf einen Anruf. Ich rechne mit nichts. Und ich rechnete schon in dem Moment mit nichts. Und deshalb geht es mir jetzt gut. Damals, als ich es das erste Mal aufgewühlt habe, hatte ich das mit der falschen Einstellung getan. Da war ich abhängig von dir. Da brauchte ich dich. Da ging es ohne dich nicht weiter. Aber dieses Mal, da ist es etwas anderes. Dieses Mal war ich einfach nur glücklich, ohne abhängig zu sein. Es ist deshalb so schön mit dir, weil ich dann immer merke, wer du eigentlich bist. Du bist dann immer so sanft. So unendlich schön und sanft. Wenn wir da gemeinsam wieder etwas aufwühlen, dann ist es immer leidenschaftlich und stürmisch. Hemmungslos und fast sportlich. Aber immer ist es so unglaublich zart. Immer bist du so unglaublich zart. Das ist es, was ich an dir mag. Deine Sanftheit. Und deine Sanftheit ist es, die mir fehlt.