Month: August 2015

Streetart Stories Rhein Main

16396394686_cdb92c128b_mText: CFFaust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 17

Gerade geschieht etwas mit mir. Ich blicke an mir herunter und bin nicht mehr bei mir. Ich blicke an meinem Körper entlang, meine Augen folgen meinen Armen, meine Augen erblicken meine Hände und sie sind mir fremd. Meine Arme, meine Hände sie sind mir fremd, sie werden mir fremd. Wer bin ich? Wo bin ich? Ich stehe neben mir. Es ist, als ob ich neben meinem Körper stehe, was geschieht mit mir? Ich erblicke meinen Körper und er wird mir fremd. Ich spreize meine Finger, führe meine Hände zusammen, ertaste meine Hände. Sind sie von mir? Wer führt sie? Wer fühlt sie? Ich bin es nicht mehr. Im Hintergrund läuft das Radio. Ein Song aus dem Radio dringt unterbewusst in meine Gedanken. Der Song entschleunigt mein Denken. Continue reading

Streetart Stories Rhein Main

8963364614_53dd3da0f7_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 17

Irgendwie fühle ich mich manchmal wie hingekotzt. Das klingt jetzt wirklich nicht sonderlich vornehm, aber ich fühle mich manchmal wie hingekotzt. Meine ganzen Gedanken kommen hier irgendwie einfach so raus, als ob ich sie ausspucken würde, als ob ich sie ganz hässlich und unüberlegt, aus einem Reflex heraus, herauskotzen würde. Manchmal, wenn ich einfach nur bin, ohne etwas zu tun, wenn ich zum Beispiel hier am Rhein einfach nur bin, um einsam nichts zu tun, dann ist mir schrecklich übel. Es ist eine Übelkeit, die vom Magen herkommt. Und dann wünsche ich mir jedesmal, mich zu übergeben. Damit alles einfach rauskommt, aus dem Magen. Damit diese Übelkeit weggeht und ich mich besser fühle. Danach. Nach dem Übergeben. Aber meistens, da will es nicht. Da will es nicht raus. Dann setze ich mich hin und schreibe. Dann kotze ich alles beim Schreiben raus. Continue reading

Streetart Stories Rhein Main

Text:CF Faust 
Sprayer: Unbekannt

image001Die Stimme der Traurigkeit 16

Ich hatte die Veränderungen gespürt. Ich hatte damals etwas aufgewühlt, was längst passé gewesen war. Und dann war irgendetwas an mir dunkler geworden. Es war jedoch mehr mein Inneres, das dunkler geworden war. Nach und nach veränderte sich mein Äußeres. Meine Haut wurde dunkler. Es war eine Art stiller Protest von mir. Dass meine Haut dunkler wurde, war eine Art stiller Protest gewesen. Denn ich war so sauer gewesen auf meine Blässe. Mein ewiges Blass-Sein nervte mich. Es war mir zuwider. Ich wollte mich einfach nicht mehr so sehen. Immer war ich weiß wie eine Wand. Immer half ich mit Schminke nach, um unter Menschen zu gehen. Denn ich sah so krank aus, mit meiner Blässe. Ich denke, meine Blässe kommt daher, dass ich ein kränklicher Typ bin. Dann beschloss ich, ein anderer Typ zu werden. Continue reading

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8963072180_ae9561bc95_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 15

Ich habe etwas ganz Blödes gemacht. Ich habe da etwas wieder aufgewühlt, was eigentlich längst passé war. Etwas aufzuwühlen, was eigentlich längst passé ist, ist wirklich etwas ganz Blödes. Aber so was macht man eben manchmal, wenn man einsam ist. Ich finde, man sollte das nicht verurteilen. Menschen, die wirklich einsam sind, die wissen ja, wie das manchmal ist. Vor allem Leute, die jemanden haben, sollten das nicht verurteilen. Etwas aufzuwühlen, was längst passé ist. Das passiert manchmal. Wenn man alleine ist. Und wenn der andere ja auch alleine ist, was ist dann schon dabei? Dann wühlt man da eben zusammen wieder was auf. Dann erinnert man sich da an was. Dann wühlt man da so zusammen. Und dann ist es ein Zusammen in irgendeiner Form. Und man versteht sich ja auch meistens noch. Oder man funktioniert gut zusammen. Ja, ich denke, das ist es. Man wühlt da wieder etwas auf, weil es so einfach ist. Man hat gerade niemanden. Oder man hat keine Kraft etwas Neues aufzubauen. Und dann wühlt man eben etwas auf, was längst passé ist. Continue reading

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8999658603_3dd8d63868_zText: CF Faust
Sprayer: Unbekannt

Die Stimme der Traurigkeit 14

Es ist eine Kunst, alleine zu sein und dabei glücklich zu sein. Vor allem im Winter. Heute haben sie die Tannenbäume ausgepackt. Es ist ein komisches Gefühl, wenn sie die Tannenbäume auspacken. Ich finde es schön, dass einmal im Jahr, Sachen von draußen, nach drinnen geholt werden. Wobei man ja draußen gar nicht gerne ist, wenn es so kalt ist. Trotzdem holt man sich das Draußen herein. Ich bleibe auch im Winter gerne draußen. Mir macht die Kälte nichts aus. Ich bin kälteresistent. Wobei meine Haut manchmal ganz rissig wird, von der Kälte. Im Winter passiert es manchmal, dass meine Haut wegen der Kälte aufreißt. Dann sammelt sich das Wasser in den kleinen Fugen. In meinen Falten sammelt sich das Wasser. Und wenn es gefriert, dann platzt es. Und dann reißt meine Haut. Continue reading

© 2017 CF Faust

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