Month: Juni 2015

Streetart Stories

Ich bild Mädchen2Sprayer: Unbekannt, Text: CF Faust
Mainz, Wallaustraße

Die Stimme der Traurigkeit 9

Ich war glücklich mit dir. Ich war nicht ganz ich und du warst nicht ganz du, aber ich war glücklich mit dir. Wir verbrachten sorgenlose Jahre. Da wir sorgenlose Jahre miteinander verbrachten, kann man doch sagen, dass wir glücklich waren, oder? Obwohl wir nicht ganz wir selbst waren. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, dann war es eine farbenfrohe Zeit. Du warst sehr unternehmungslustig. Wir unternahmen sehr viel miteinander und es war immer sehr schön. Romantisch war es auch. Vor allem die Mitternachtsspaziergänge im Wald waren sehr romantisch. Oder unsere Ausflüge zu den Rhein-Inseln. Das war toll, als wir dort am Rhein ein Lagerfeuer machten und dann einfach so dort übernachteten. Wir hatten für diesen Ausflug Essen mitgebracht. Du warst immer sehr gut vorbereitet, was das Essen angeht. Du warst ein sehr guter Koch. Erinnerst du dich an diese Orange? Continue reading

Streetart Stories

MädchencrewSprayer: Unbekannt, Text: CF Faust

Die Stimme der Traurigkeit 8

Weißt du noch, als du mich deinen Freunden vorgestellt hast? Ich weiß es noch genau. Wie du mich deinen Freunde vorgestellt hast, das weiß ich noch ganz genau. Ich mochte deine Freunde sofort. Ich hatte sie sofort gern. Es waren tolle Freunde. Deine Freunde, waren tolle Freunde. Da gab es den Arzt. Dünn, groß und blass. Da gab es den Filmspezialisten. Dünn, blass und schüchtern. Da gab es den Biologen. Dünn, groß und düster. Sie waren alle sehr verschieden, deine Freunde, doch sie hatten alle denselben Humor. Einen sehr intelligenten Humor. Einen sympathischen Humor. Es war immer sehr unterhaltsam. Nie oberflächlich. Ich mochte sie alle sehr gerne. Sie machten dich in meinen Augen noch stärker. Du hattest Phasen, in denen du ganz abtauchtest. In diesen Phasen, in denen du ganz abtauchtest, warst du für niemanden erreichbar. Continue reading

science trash: Mozart

Ein Rapper, der sich Black Mozart nennt

Falcos Song Amadeus, der ihn (Falco und Mozart?) zu einem Rockstar machte, ohne wirklich etwas über Mozart zu sagen – Der Artikel im Stern, der Mozart als „first king of pop“ bezeichnet – Und dann diese Szene aus dem Film Lucy, wo Lucy dem einen Typ die Messer in die Hände haut, während man das Mozart-Requiem hört Continue reading

Stimme der Traurigkeit 7

Mädchen

Mainz, Emmeransstraße

(Sprayer: Unbekannt, Text: CF Faust)

Weißt du noch, als du mir das kleine Vögelchen geschenkt hast? Das war so süß. Natürlich musste ich es direkt wieder zurückgeben. Wer hätte sich denn auch darum kümmern sollen. Aber es war so eine schöne Geste von dir. Und dann schriebst du mir tatsächlich ein kleines Kärtchen, auf dem stand: „Piep, piep, ich hab dich lieb!“. Ich war so verliebt. Das war wirklich ein richtig romantisches Geschenk. Du legtest auch eine kleine Blume auf den Briefumschlag. Du erklärtest mir ausführlich, dass du eigentlich geplant hattest, die Blume dem Vögelchen in den Schnabel zu klemmen. Das hatte aber einfach nicht funktioniert. Entweder der Vogel hatte die Blume wieder fallen lassen, oder er hatte versucht, sie hinunterzuschlingen. Es wäre auch zu viel des Guten gewesen. Die Karte und die Blumen hätten doch völlig gereicht. Aber dann kamst du dort mit diesem sperrigen Käfig an. Und darin: Ein echter Vogel. Continue reading

science trash: Rocky Horror Picture Show

Was war das noch für eine Zeit, als Film und Musical so viel experimenteller und sozialkritischer waren, als wir es heute von unserer Hollywood-Happy-End-Action-Hero-Realität her kennen? Ich höre Queen durch, ich höre eine Power durch, ich höre durch eine Epoche und fühl‘ mich komplett durch, ohne Zeitzeuge gewesen zu sein. Mir kommt Mathew Barney in den Sinn, nur aufgrund der Laborästhetik, und ich kann doch keinen richtigen Zusammenhang herstellen. Wer macht das für mich? I just can throw it up. In a beautiful piece of science trash. Continue reading

Die Stimme der Traurigkeit 6

8999593365_08c0e8aef0_z Mainz, Hintere Bleiche

(Spracher: Unbekannt, Text: CF Faust)

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir beide keine eigene Wohnung hatten, wo wir ungestört hätten sein können, oder daran, dass wir beide nicht genug Geld hatten, um uns immer in einem Kaffee zu treffen. Unser Beziehung spielte sich fast immer draußen ab. Im Freien. Draußen im Freien, an der Sonne, da ging es uns gut. Da fühlten wir uns wohl. Da hatte jeder genügend Freiraum, zu sein. Einfach zu sein. Da zu sein, durch die Straßen zu flanieren, von den Menschen drumherum angetrieben zu werden, das war ein Gefühl, das wir gerne miteinander teilten. Das Flaneur-Sein. Continue reading

Die Stimme der Traurigkeit 5

8963230486_8e11e92857_mMainz, Weintorstraße

(Sprayer: Unbekannt, Text: CF Faust)

Ich weiß noch, wie wir uns dann das erste Mal verabredeten. Du hattest damals am Rhein nach meiner Telefonnummer gefragt. Doch ich wollte sie dir nicht geben. Das hat dich beeindruckt, glaube ich. Ich war sehr stolz, dir nicht meine Nummer direkt gegeben zu haben. Wir hatten uns damals am Rhein viel zu erzählen. Und das obwohl wir uns gerade erst kennengelernt hatten. So schlenderten wir einfach so am Wasser entlang und redeten viel. Schließlich hast du mich nach Hause gebracht. So viel Vertrauen hatte ich dann doch zu dir geschlossen. In der kurzen Zeit. Du brachtest mich nach Hause, ohne dass ich dir meine Nummer gab. Continue reading

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